Facebook plant nahtlose Nutzerdaten – pardon, Nachrichtendienste

Eigentlich schade. Es könnte so schön sein, wenn … ja wenn.

Facebook kündigte in dieser Woche auf seinem Blog einen neuen Nachrichtendienst namens Seamless Messaging an:

Today I’m excited to announce the next evolution of Messages. You decide how you want to talk to your friends: via SMS, chat, email or Messages. They will receive your message through whatever medium or device is convenient for them, and you can both have a conversation in real time.  You shouldn’t have to remember who prefers IM over email or worry about which technology to use.  Simply choose their name and type a message.

Damit soll es möglich sein, auch mit Nicht-Nutzern eine Konversation im Facebook-Stil aufzubauen und zu archivieren (via):

Jeder Nutzer erhält auf Wunsch eine E-Mail-Adresse mit der Endung @facebook.com. Dennoch wollte Facebook-Chef Mark Zuckerberg das neue System nicht als „E-Mail-Killer“ bezeichnen, der dem in den USA sehr beliebten Google-Angebot Gmail Konkurrenz macht. Das System verzichte beispielsweise auf typische Elemente wie Betreffzeilen, erklärte Facebook-Manager Andrew Bosworth: „Wir haben es mehr wie einen Chat gestaltet.“

Beim neuen Facebook-Feature werden alle Konversationen mit einer Person an einem Ort zusammengeführt und können dauerhaft archiviert werden. Als Beispiel nannte Bosworth die Nachrichten, die man mit seinem Partner austausche – vom ersten „Nice to meet you“ (Schön Dich zu sehen) bis zur Frage, wer die Kinder vom Fußball-Training abhole.

Die Ankündigung des „Seamless Messaging“ löste bisher kaum Begeisterung aus. So warnt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Prof. Johannes Caspar davor, sämtliche Kommunikation bei einem Dienst zu bündeln (via):

„Ob es sinnvoll ist, so viele Informationen einem Anbieter in die Hand zu geben, ist fraglich“, warnte Caspar. „Jeder muss wissen: Wenn die Daten außerhalb des Landes gespeichert werden, können die deutschen Datenschutzbehörden nicht kontrollieren, wie damit verfahren wird.“ So betone Facebook ausdrücklich, dass die von Kalifornien aus angebotenen Dienste nicht durch deutsches oder europäisches Datenschutzrecht geregelt würden.

Die nahtlose Nachrichtenzentrale wird auch als riskantes Einfallstor für schädliche Anhänge eingeschätzt:

(via)

[…] Graham Cluley vom Sicherheitsaanbieter Sophos. In sozialen Netzwerken sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Link geöffnet wird, höher, weil die Nachricht von einem vermeintlich vertrauenswürdigen Profil – einem Facebook-Freund – kommt. Dadurch steige die Versuchung für Cyberkriminelle, persönliche Profile zu hacken und ohne Wissen des Nutzers Schädlinge an sein Netzwerk zu verbreiten, erklärt Cluley.

Nutzer, die ihren Klarnamen als öffentlichen Profil-Namen gewählt haben, geben somit auch ihre Facebook-E-Mail-Adresse preis. Die Privatsphäreneinstellungen sollten daher so geändert werden, dass nur Mails von „Freunden“ empfangen werden können.

Mit dem neuen Service können nicht nur Links, Fotos und Videos versendet werden, sondern auch externe Inhalte wie Textdateien und Tabellen. Damit steigt die Gefahr, auch Schadsoftware oder Spam zu erhalten. E-Mails von Fremden werden zwar aussortiert und in einen gesonderten Ordner verschoben, allerdings gibt es keine Erkennungsmöglichkeit für gefälschte E-Mails, bei denen Betrüger den Namen eines Freundes nutzen. Diese Mails landen nach wie vor im „Freunde“-Ordner und sind damit vertrauenswürdig. Bisher ist noch unklar, wie die Bedrohungen durch externe Anhänge verhindert werden sollen. Auch wenn man sich bei Facebook in einem geschlossenen Kreis von Freunden wähnt, sollte man nicht jeder Nachricht vertrauen und stets kritisch bleiben, wenn sie Anhänge enthält, so wie das für jede externe E-Mail gilt.

Ob der nahtlose Nachrichtendienst in Deutschland viele Anhänger finden wird, ist noch offen.

Angesichts der Kritik an Google Street View und wiederholter Datenpannen, etwa bei StudiVZ oder der Deutschen Telekom, wird jeder Versuch, Nutzerservices und damit Nutzerdaten zu bündeln, einen bewussteren Umgang mit Sozialen Netzwerken bei den Benutzern fördern und damit die willkürliche Verwendung von Nutzerdaten erschweren.

Für die sozialen Netzwerke, insbesondere große Marken wie Facebook, Google und Yahoo, wird es künftig lebenswichtig sein, die Nutzer durch  Transparenz zu überzeugen und zu halten. Dazu gehören klare und verständliche Optionen bezüglich der Privatsphäre und die Voreinstellung „nur Freunde“ für alle Datenfreigaben. Dann würden mehr Menschen diese Dienste mit weniger unguten Gefühlen nutzen.

Weltweit hat Facebook zur Zeit etwa 500 Millionen Nutzer, in Deutschland 11 Millionen und liegt damit knapp vor XING (geschätzte 3 Millionen in Deutschland) und – noch – hinter Schüler-/Studi-/MeinVZ (17 Millionen).

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The future of news: personal, social, real time

Marissa Mayer, VP Google Search, interviewed by Michael Arrington from Techcrunch at Le Web 2009 in Paris.

I will deliver a transscript of what she said later in this post (the conference is still running).

Interesting analysis of the atomization parallels that took place in the music industry (from LP album to itunes song) and news (from newspapers to singular articles). The future (winner) of news delivery will be a service combining personal interest and networks, delivering just in time. This may include comments of people within my network, which suddenly become interesting for a user even after some time, when an issue gets important. Google is looking at how to deliver this…

Marissa did not talk about how the production of news will change because of the changes in delivery…

(this is from memory, transscript will follow)

update: techcrunch of course has a summary of the entire interview (the news part was in fact longer, see video).

Vodafone lässt Urlauber twittern

Vodafone betreibt derzeit eine interessante Social Media Kampagne.

Twitter User erzählen, wohin sie dieses Jahr in Urlaub fahren. Das Ganze wirdauf einer Google map grafisch dargestellt.

So einfach, so gut. Unter http://www.ukholsmap.com/ sieht man die tweets rattern, die Reiserouten ziehen sich quer über Europa und eine Hitliste gibts auch (die übrigens New York anführt).

ukholsmap2

Wer mitmachen will, twittert den hashtag #ukhols (Kurzform für UK Holidays), seinen Startort (britischer Zipcode) und den Zielort. Nach kurzer Zeit findet sich die Route nebst Twitter-Name und -Bild auf der „ukholsmap“ wieder.

Das funktioniert über jedes internetfähige Gerät mit einem Browser oder Twittertool. Für Vodafone interessant wird es natürlich, wenn die Leute von unterwegs via Vodafone-Netz twittern. Kampagne und Produkt passen also gut zusammen.

So ganz „nebenbei“ verrät Vodafone auf der Seite, dass UK-Kunden zur Hauptferienzeit Juni bis August in 35 Ländern keine Roaminggebühren zahlen (Kasten rechts unten).

Coole Sache: Die Kampagne erreicht die heavy user mobiler Anwendungen, für die wegfallende Roaminggebühren höchst relevant sind und die Vodafone dennoch mit viel Umsatz beglücken werden. Vodafone gewinnt Kunden, Umsatz und sogar Sympathien. Nicht schlecht!

Warum diese Kampagne auf der WuV-Seite so negativ bewertet wird, ist mir nicht klar. Sicher beinhaltet die Öffnung für ugc gewisse Risiken für die Marke, doch dürften die o.g. Vorteile klar überwiegen. Vodafone tut sicher gut daran, ukholsmap nicht komplett im Vodafone-Design zu gestalten, sondern lediglich als „Sponsor“ aufzutreten. Negative Kommentare über Vodafone auf der Seite habe ich noch nicht gesehen. Aber selbst wenn, warum sollten diese eine konsequente Markenführung verhindern, wie Conrad Breyer auf wuv.de bemängelt? Konsequente Markenführung im Internet bedeutet meiner Meinung nach, sich dem Urteil der User zu stellen; in Dialog mit den Benutzern zu gehen, sich nicht zu verstecken. Wer meint, der Marke durch Totschweigen von Meinungen retten zu können, ist immer noch nicht im Internet angekommen. Gerade in dieser Woche, in der die Berichterstattung aus dem Iran via Twitter, Youtube und Facebook zeigt, wie unwirksam Zensur ist, kann man sich getrost von der Vorstellung, ‚konsequente Markenführung‘ hieße Kontrolle der Botschaften, verabschieden.

Make friends not brands

Der Spruch stammt aus einem Tweet von @Mellcolm von der gestern zu Ende gegangenen Next09.

Der Satz fasst schön zusammen, wohin die Reise von Marken im Google-Zeitalter geht: Beziehungen aufzubauen ohne großes Geschwafel, sondern mit überzeugenden Services. Netzwerkeffekte statt Massenwerbedruck.

Die ältere Version dieses Spruchs, „A brand like a friend“ war ja von Anfang an sinnlos: ein Zungenbrecher, total irreal (so redet kein Mensch, erst recht kein „Freund“) und er passte nicht zu der Marke, der es übergestülpt zugesetzt wurde –  schon allein wegen der Sprache (englisch / deutsch). Schwamm drüber.

Ein Freund ist für mich jemand, mit dem man ständig rumhängt, dem man alles erzählt, dem man vertraut. Letzteres klappt dann nicht mehr so ganz bei Google und Facebook, bei Twitter im Moment noch. Aber diese Marken sind – nach den genannten Kriterien – schon nah dran, unsere Freunde zu werden. Wir brauchen sie. Wir lieben sie nicht immer, reiben uns an ihnen, wachsen mit ihnen. Aber ein Leben ohne sie (und ihre Services) wäre im Internet schwierig vorzustellen. Und das haben diese Marken ohne großes Sprücheklopfen, sondern mit coolen services geschafft. Und das ist  schonmal ein sehr wohltuender Kontrast zur sonst sehr lauten Markenkommunikation, wie wir sie kennen.

„Google ist keine Social Brand“ ?

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