Die Pilotphase ist vorbei: Apps für Messen und Kongresse werden erwachsen.

(Fachbeitrag veröffentlicht in MOBILE BUSINESS 10/11)

Im Auftrag der Heidelberg Mobil International habe ich einen Fachbeitrag für die MOBILE BUSINESS geschrieben. 

Scan als PDF: Die_Pilotphase_ist_vorbei_-_MOBILE_BUSINESS_Oktober_2011

Nachfolgend zur besseren Lesbarkeit der Originaltext, der auch auf der Website von Heidelberg Mobil veröffentlicht wurde.

Die Pilotphase ist vorbei: Apps für Messen und Kongresse werden erwachsen.

Waren es im letzten Jahr noch die early movers unter den Veranstaltern, die eine iPhone App herausbrachten, so ist die bloße Existenz einer Messe- oder Kongress-App heute kein Differenzierungsmerkmal mehr.

Neben IT-Messen wie der CeBIT (Deutsche Messe AG) und der Konferenz Le Web (Paris) geben auch Publikumsmessen wie die IFA (Messe Berlin) und muba (Basel) sowie Fachveranstaltungen wie die Eurobike (Messe Friedrichshafen), die Textilmesse DOMOTEX (Deutsche Messe AG), und der Deutsche Multimediakongress (MfG, Stuttgart) ihren Besuchern eine App an die Hand.

Die Akzeptanz bei den Nutzern hat sich binnen eines Jahres verdoppelt (eigene Berechnungen; Anteil der App-Benutzer an Gesamtzahl der Veranstaltungsbesucher – downloads native App plus visits der Web App).

Gleichzeitig stiegen die Erwartungen: Die App muss wirklich was können. Aber was?

Welchen Nutzen müssen Apps für Fachveranstaltungen liefern? Wo sind Stolpersteine im Entwicklungsprozess? Welche spezifischen Anforderungen müssen Apps erfüllen, um eine Messe oder Konferenz würdig auf dem Smartphone zu vertreten?

Steht bei größeren Messen die Suche und Orientierung im Vordergrund (Aussteller, Hallenpläne, Umkreissuche), fokussieren Kongressveranstalter auf Programmplanung, Vernetzung und Interaktion (Eventkalender, Matchmaking, Voting, Feedback).

“Viele Apps ermöglichen den virtuellen Austausch von Visitenkarten. Jedoch bieten nur wenige echtes Matchmaking durch semantischen Abgleich. Auch der Import von Nutzerdaten ist wesentlich für den Erfolg: Niemand will sein Profil für jede Veranstaltung immer wieder neu anlegen”, so Tilman Boller, Projektleiter bei der Heidelberg Mobil.

Typische Stolpersteine bei Veranstaltungs-Apps

Einzelprojekte:

Das Projektteam der Veranstaltung trifft meist auch die Entscheidung über die Smartphone App. Dabei könnten durch eine übergreifende App-Strategie Synergieeffekte erzielt werden. Die Einrichtung zentraler Datenschnittstellen vermeidet Mehrkosten – besonders, wenn die Messedatenbanken durch Drittanbieter verwaltet werden. Der Trend geht weg von der Einzel-App zur Entwicklungsreihe für mehrere Veranstaltungen. Die Veranstalter planen zunehmend strategisch, statt die Features einzelner Apps zu optimieren.

Zeitbedarf unterschätzt:

Allein die Aufbereitung der Datenexporte dauert oft länger als geplant. Zudem managen die Projektleiter des Veranstalters die App ost als “Nebenbaustelle” und müssen sich das Know-How erst erarbeiten. Der Endtermin steht jedoch fest. So manche Details fallen am Ende dem Zeitdruck zum Opfer.

Empfehlung: Je nach Konzept und Daten-Infrastruktur benötigt eine App drei bis fünf Monate Vorlauf, um rechtzeitig in vollem Umfang zu erscheinen. Für den Apple App Store müssen bis zu drei Wochen Freigabezeit einkalkuliert werden.

Infrastruktur vor Ort:

In den Hallen ist der GPS-Empfang beschränkt; daher muss Indoor-Navigation anders gelöst werden – mittels manueller Positionierung oder via WLAN, welches mit dem Messebetrieb häufig an Belastungsgrenzen stößt. Für internationale Messen empfiehlt sich eine Offline-Version zum Download. Dieser sollte auch vor Ort via WLAN möglich sein. Zusätzlich kann ein lokales Netz für die Web App freigeschaltet werden.

Kommunikation:

Auch die beste App muss beworben werden. Tipps: Eine Browserweiche kann Smartphone-Zugriffe auf die Website zur mobilen Version umleiten. Die App auf der Startseite der (Desktop-)Homepage verlinken. Auch die Mitarbeiter vor Ort sollten über die App Bescheid wissen. Aussteller können via Deeplink auf ihren Stand hinweisen, etwa im Email-Footer oder via twitter. Social Media Kommunikation aus der App heraus (“tweet this”, “post-to-facebook” u.a.), verbunden mit der Quellenangabe “via … APP”, sowie begleitende Tweets und Posts zur App (Hinweise auf Events, features, content) steigern die Reichweite und können Feedback in Echtzeit erzeugen.

Finanzierung:

Das App-Budget entlasten – durch Sponsoring. Vom Homescreen Banner über Logo im Hallenplan bis zur “App in App” ist vieles möglich. So integrierte die IBM eine eigene App in der CeBIT2go App. Ein Gewinnspiel verknüpfte den Besuch des ‘virtuellen’ mit dem des ‘echten’ Messestands vor Ort. Tipp: Location Based Mehrwerte anbieten (z.B. Couponing, Suchspiele).

Case Messe-App: CeBIT2go

Die App “CeBIT2go” wurde für drei Plattformen produziert: für iOS, als browserbasierte Web App für alle weiteren Plattformen und 2011 erstmalig für Android.

Neben den Standardfeatures Suche, Aussteller, Produkte und Veranstaltungen (“heute” / “in 15 Minuten”) mit Sprecherportraits bot die App eine dynamische Geländekarte mit Umkreissuche und automatischer oder manueller Positionierung. Unter den meist genutzten Funktionen war das Livetracking der Messebusse. Die Apps für iPhone und Android hielten eine komplette Offline-Messedatenbank vor – unabhängig vom Netzempfang in den Hallen und ohne Roaminggebühren. Der Download war vor Ort an einer “App-Station” möglich. Die Web App konnte ohne Download von jedem Smartphone aus genutzt werden. Hierfür stand auch das lokale WLAN-Netz zur Verfügung.

“Die Ansprüche der Benutzer waren sehr unterschiedlich, aber immer sehr hoch, wie bei einer CeBIT nicht anders zu erwarten”, so Olav Rauls, Projektleiter der Deutschen Messe AG, Hannover. “Das Feedback war enorm; wir haben viel Lob und auch viel Kritik gehört, die wir verarbeiten werden. Der Dialog mit den Nutzern lief fast komplett über facebook und twitter. So konnten wir auch technischen Support für die App als Soforthilfe leisten.”

Die Autorin

Vesna Gudlin ist Social Media Strategist und User Experience Consultant bei Heidelberg Mobil international.

Über Heidelberg Mobil

Heidelberg Mobil ist Spezialist für kontext- und ortsbezogene Anwendungen auf Smartphones, Desktop Websites und mobilen Kanälen – „just in time“ und „just in place“. Komplexe Datenquellen werden auf der Deep Map (TM) Plattform zusammengeführt und optimiert ausgegeben. Zu den Referenzen zählen u.a. die DMAG (CeBIT2go, HM2go, domotex u.a.), Messe Berlin (IFA), und die Messe München (Communication World).

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