In 41 Minuten nach Paris: geht das mit twitter?

Findet man binnen 41 Minuten zwei bisher unbekannte Mitstreiter, um ein 3er Ticket für die wohl prominenteste Webkonferenz Europas, Le Web in Paris, online zu buchen?

Die Antwort ist: JA! Und so lief es ab:

 

10. November 2009, 23.06 Uhr

Auf der Website der internationalen Konferenz LeWeb, die im Dezember zum 5. Mal in Paris stattfindet, lese ich, dass der aktuell beste Preis am 10. November  endet und nur beim Kauf von 3 Tickets gilt. Es geht um rund 50% Vorteil gegenüber dem regulären Ticketpreis. Ja, ich will ein Ticket! EIN Ticket! 54 Minuten to go! Ist es möglich, in dieser Zeit zwei Mitstreiter zu finden und gemeinsam zu buchen? Das Abenteuer beginnt.

10. November 2009, 23.18 Uhr

Ich setze folgendes Tweet ab:

Bild 133

Ein Schuss ins Blaue. Ich wusste nicht einmal, ob das Kürzel #leweb richtig ist.

(Auf der ansonsten gut gemachten Website steht kein offiziell definierter #tag, der benutzt werden könnte, um Texte, Fotos und Videos mit dem Event zu verknüpfen. Leider trifft das für fast alle Events zu – bis auf Barcamps, die von Leuten organisiert werden, die #tags benutzen. Selbst große Veranstalter wie IIR schaffen es nicht – siehe z.B. die Mobile 2.0 in Berlin. Offenbar hat sich noch nicht herumgesprochen, dass Teilnehmer und Interessenten lange vor der Konferenz über diese twittern oder danach suchen. Meine Erfahrung: In der Regel wird der #tag zu Beginn der Konferenz dort ausgehängt – was den Leuten „da draußen“ wenig hilft. Die Veranstalter kostet es Reichweite. Nicht immer ist der #tag so leicht zu finden wie bei #leweb.)

10. November 2009, 23.20 Uhr

Nach zwei Minuten bekam ich Antwort auf meine „Kontaktanzeige“:

Bild 134

Cool. Zwei Leute in zwei Minuten gefunden. Aber jetzt – wie durchführen? Die Buchung für 3 Tickets musste von einer Person erfolgen. Wir hatten 3 Personen, die sich überhaupt nicht kannten. Daher erstmal vorsichtiges antweeten:

Bild 137

Kostbare Minuten vergingen, in denen wohl jeder versuchte, via Twitter, Web und Social Networks herauszufinden, was die anderen zwei für Personen sind. @thedave7 war als erster fertig:

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Klar doch! DMs an beide mit skype und facebook Namen verschickt, um via chat (Echtzeit, Echtzeit!) das Vorgehen zu besprechen – und sich vielleicht doch erst mal kennen zu lernen…? Ich konnte noch nicht glauben, ob dabei wirklich was rumkommen würde.

10. November 2009, 23.36 Uhr

Während ich mit Nicholas skypte, schickte mir @thedave7 via twitter die entscheidende Direct Message:

Bildschirmfoto 2009-11-12 16-37-39

Aber ja, @thedave7. Mach ich. Ich habe zwar keine Ahnung, wer Du bist, wo Du wohnst… aber wenn Du das machen willst: Ich mach mit!

10. November 2009, 23.42 Uhr

So. Meine Email an @thedave7 mit Anmeldedaten und Foto ist raus. Um zu sehen, welche Daten er für meine Anmeldung braucht, fülle ich das Formular probeweise aus und schicke ihm zur Orientierung den screenshot mit:

Bild 105

10. November 2009, 23.44 Uhr

Keine zwei Minuten später. Antwort von @thedave7 – wieder per DM bei Twitter:

Bildschirmfoto 2009-11-12 16-41-50

Banges Warten… Nicholas skypt mir, er habe seine Mail rausgeschickt. Ob das alles klappt? 16 Minuten to go… ich schaue schon mal nach Flug und Hotel. Man kann ja nie wissen.

10. November 2009, 23.57 Uhr

WOW. Die Bestätigungsmail ist da! Das Ticket liegt als PDF in meinem Email-Postfach.

Bild 141

Mein Dank geht an @thedave7, der die Buchung in die Hand genommen hat. Ich weiß nicht, ob ich das gemacht hätte:  Mal eben 1.400 € mit bezahlen für Menschen, die ich ein paar Minuten kenne. Respekt! Und danke für das Vertrauen.

Bild 136

Ohne Twitter wäre so ein Verfahren kaum möglich gewesen, oder? Ich wüßte nicht, wo ich sonst binnen Minuten hätte zwei Menschen finden können, die gerade online und bereit sind, in den nächsten Minuten zu buchen.

Aber Echtzeitkommunikation hin oder her: ohne jemanden, der in die Bresche springt wie @thedave7, wäre das ganze grandios gescheitert.

Danke auch an @nicholasmetzke fürs mitmachen. Außerdem ein großes SORRY an @fabi01 und @L1AD, die mir später (zu spät) geantwortet haben. Ich habe zwar beide retweetet und den tag #leweb09 hinzugefügt, aber das war sechs Minuten vor Sendeschluss und einfach zu spät.

Hätten beide in ihrer Antwort an mich den tag #leweb benutzt, hätten sie andere Interessenten bei Twitter finden und sich gemeinsam organisieren können. Das sind Details, an die man in der Hektik vielleicht nicht denkt. Ohne den tag #leweb hätte ich meine beiden Mitstreiter, die übrigens in London bzw. Paris wohnen, niemals gefunden.

Was das ganze mit Markenbildung zu tun hat?

Für mich ist diese Geschichte ein exzellentes Beispiel dafür, wie Kommunikation heute funktioniert.

  1. Jeder kann in kürzester Zeit Menschen mit gleichen Interessen finden – unabhängig vom Wohnort, Alter und Umfeld. Das hat nichts, nichts, nichts mit a) klassischen Zielgruppen und b) Tagen oder Wochen zu tun.
  2. Das Gespräch ist kurz und auf den Punkt. Lange Texte liest keiner. Am Bildschirm wird „gescannt“.
  3. Vertrauen und Offenheit führen zum Ziel. Mit 1.0-Statusdenken („Wer sind die überhaupt?“) hätten wir nichts erreicht.
  4. Ein klares, glaubhaftes Online-Profil wird immer wichtiger. Für Menschen wie für Marken. Man kann nie wissen…
  5. Das Potenzial von tags wird nicht genutzt. Durch simple, zeitige Definition von Schlüsselwörtern ließen sich Gespräche bündeln – sowohl unter den Benutzern, als auch mit ihnen. Da wird Reichweite pur verschenkt.
  6. Das gilt besonders für Unternehmen, die „Termine“ verkaufen. Andere erzeugen mühsam zeitliche Spannung mit Liveshopping. Bei Konferenzen und Konzerten ist die Spannung eingebaut: Liebe Veranstalter! Nehmt endlich das Ruder in die Hand: Definiert gescheite tags und publiziert sie auf eurer Eventsite. Sofort! Ihr unterstützt damit, dass sich die Leute rund um euer Event vernetzen. Vorher, währenddessen und hinterher. Liveberichte auf Twitter, Fotos auf flickr, Videos auf youtube und vimeo, Rückblicke in Blogs. Das wollt Ihr doch – Reichweite? Buzz?

2 Gedanken zu “In 41 Minuten nach Paris: geht das mit twitter?

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