Qualitätssonntag: Community Camp Berlin, Tag 2

Über den ersten Tag des Community Camps Berlin habe ich hier berichtet. Meine Fotos auf flickr. Hier lang zum ccb09 Fotoalbum und zur Dokumentation der Sessions im Community Camp Wiki (bisher leider nicht so viel).

Nach einer kurzen Nacht, hauptsächlich dem fehlenden S-Bahnverkehr zwischen 1 und 4 Uhr morgens geschuldet, traf ich auf dem Weg zum Tag 2 in der S-Bahn auf die längste größte Dragqueen Berlins (knapp 2 Meter, schätze ich). Es war der Morgen nach Halloween, und so konnte ich mich rausreden, ich sei noch nicht abgeschminkt.

Wer war nochmal Starbucks? Senseoman Lukas (@Lukasch) nahm sogar Bestellungen per Twitter entgegen. Leider war er grade beschäftigt, als ich eintraf. Naja, Senseo Kaffee machen kann ich grad noch selbst:

Bei der Session-Planung machte jemand Olivio den guten Vorschlag, jeder Session einen tag zu geben, damit die tweets dieser zugeordnet werden können. FTW! Hier der Stundenplan von Tag 2 mit sessiontags.

Was ist ein guter Community Manager und wie kann ich ihn finden? #ccbjob

Ich fasse mal meine Aufzeichnungen zusammen. Hier gehts zur Sessiondoku im Wiki.

Was macht den CM aus?

Welchen Community Manager (CM) man braucht, hängt davon ab, in welcher Phase die Community ist: Am Anfang brauchen die Mitglieder andere Betreuung (Motivation) als in einer reifen Community (Ordnung).

„Den“ CM gibt es nicht. Man braucht:

  • Motivierer
  • Schlichter
  • Manager
  • Rechner
  • Türsteher
  • Hausmeister (ja! vor allem hier)
  • Kioskbesitzer
  • Gastgeber

Es gibt auch keine Übereinstimmung, was Firmen / Kunden unter CM verstehen. Mal wird ein Redakteur erwartet, mal ein Supporter, Produktmanager oder sogar ein ehrenamtlicher Moderator. Das sollte nicht verwechselt werden. Der CM hat vielseitigere Aufgaben und muss hohe Qualifikationen mitbringen. Gesucht werden häufig Hochschulabsolventen, die Generalisten bzw. Experten in verschiedenen Bereichen sind. Die Anforderungen reichen von … belastbar, kommunikationsstark, teamfähig, konfliktfähig, gute Schreibe … bis … authentisch, muss mit Frust umgehen können und als Mensch glaubwürdig rüberkommen, auch wenn er Dinge gegenüber der Community vertreten muss, die er selbst nicht beeinflussen kann.

Authentischer Mensch vs. Unternehmensauftrag

Es scheint häufig Konflikte zwischen diesen Anforderungen zu geben. Man sucht Leute mit Medienkompetenz und -profil, will aber dass sie „risikofrei“ arbeiten und auch in ihrer Freizeit ihre Rolle wahrnehmen. Viele Bewerber sind sehr jung und haben wenig Berufserfahrung in Unternehmen, aber eine eigene Netzpersönlichkeit, das macht ihre Identität aus. Sie vertreten ihre Meinung, z.B. im eigenen Blog. Die Person steht mit ihrem Namen „auf der Straße“ für das Unternehmen und prägt es nach außen mit. Wie soll sich ein CM auf seinem Privatblog verhalten? Kenntlich machen, für welche Community er / sie arbeitet, z.B. „moe of qype“. Viele haben zwei Accounts bei twitter und facebook: einen privaten und einen beruflichen. (P.K.: Bei facebook ist das nicht so einfach).

Unternehmen sollten schon bei der Einstellung den Leuten klar machen, was erwartet wird. In der Gamerbranche z.B. checken die Communities einen ganz genau und „stalken“ die CM im Netz, um zu erfahren, was das für eine Person ist. Also muss das persönliche Profil darauf abgestimmt sein. Was das im Einzelnen bedeutet, soll möglichst genau definiert werden. Nicht nur im Netz, denn CM werden auch „im Kino erkannt“ und ihre privaten Profile im Netz geaddet, wie es neudeutsch heißt. Der CM soll das Unternehmen repräsentieren – face to the crowd. It’s people business. Wenn ein CM seinen Job wechselt, kann dies – muss aber nicht – starke Auswirkungen auf die Community haben. Muss ein CM überhaupt mit seinem Namen einstehen? Als Moderator nicht unbedingt. Als „face to the crowd“ schon. Spätestens auf Usertreffen ist es unmöglich, anonym zu bleiben.

Community 2.0 – was kommt danach?  (Zorah Mari Bauer) #ccbzb

Auf ortsbasierte-dienste hat Zorah Mari eine, wie ich finde, sehr interessante Übersicht der Merkmale in den Medienkulturen 1.0, 2.0 und 3.0 veröffentlicht (dort sind die Merkmale klick- und kommentierbar).

Bildschirmfoto 2009-11-12 23-47-25

Überwiegend wurden die Faktoren der Medienkultur 1.0 und 2.0 besprochen und versucht, diese in Beispiele zu übersetzen, vor allem die Unterschiede und Übergänge:

  • Userbewertungen in Fernsehshows, z..B. bei „Das perfekte Dinner“
  • Public Viewing als Anzeichen der „social“ Kultur in Massenmedien
  • Erlebniskontext ist Merkmal der Medienkultur 3.0 (jetzt und hier, nicht erst zu Hause am PC)
  • Medienkultur 1.0 lebt von Monokultur, 3.0 von Vielfalt
  • Atomisierung: Überfordert das den Menschen? Herausforderung: passender Zuschnitt

Nach dem leckeren Mittagessen (wieder vegetarisch!) wurde der Gewinner der Senseo Maschine ausgelost. Herzlichen Glückwunsch an @hellegatt!

Virales Design (Florian Bailey) #ccbvd

Von „Mampfstarre“ keine Spur, als Florian funktionierende Ansätze des viralen Designs präsentierte, die er bereits früher, zuletzt auf dem Startup Weekend, vorgestellt hatte.

'das ist der gott, der an der wand klebt'

Die gesamte Session war sehr erhellend und unterhaltsam – großes Kompliment an Florian Bailey!

Zunächst ging es um den fundamentalen Unterschied zwischen Produkten, die man viral vermarktet (etwa den Trailer zu Ice Age), und Produkten mit tief verwurzelter eigener Viralität. Letztere bedeutet, dass die Verbreitung durch die Benutzung geschieht. Beispiele: Microsoft Word vs. Google docs. Applikationen müssen „sich selbst empfehlen“, wie auch youtube es hervorragend umgesetzt hat. Das starke Wachstum setzte ein, als neue Features eingeführt wurden (August 2005): Die Möglichkeit, Videos auf anderen Seiten einzubinden (embed code wird bei jedem Video zur Verfügung gestellt) sowie die Rubrik „related videos“. Gleichzeitig existierte mit myspace.com bereits ein stark wachsendes Netzwerk, das für die neue Verbreitungsfunktion ideal geeignet war.

Schafe statt Links

Will man etwas per Link verbreiten, ist es viel effektiver, den Grund gleich mitzuliefern, warum der Empfänger diesem Link folgen soll. So waren es bei Farmville, einer Facebook app mit Suchtfaktor, „Schafe statt Links“: per Mail oder Nachricht erhielt man ein Schaf, das gleich im Spiel eingesetzt werden konnte, statt eines banalen „schau Dir mal Farmville an und spiel mit“. Relevanz schaffen!

Zum Nachlesen: Viraler Faktor (V = N x P1 x P2), retention rate und die komplette Story auf seiner Website id-o.de.

Lightning Talks (Olivio Sarikas) #ccb09lt

Vorstellung eigener Projekte, Feedback von der Crowd: ein guter Deal.

Bild 145

Wehype.com – Plattform zum Hypen von Kunst, Künstlern, Musik

www.mov.io – Videoplattform ähnlich Twitpic, nur halt mit Videos

vascmo.de – Stadtführer für Touristen und Einwohner, auf dem Mobiltelefon

gratis-in-berlin.de – Plattform für POI in Berlin, die nichts kosten

Das dritte Projekt habe ich selbst vorgestellt. Danke für die guten Feedbacks!

Während im Plenum Kommentare und Verbesserungsvorschläge ausgetauscht wurden (die man auch hier loswerden kann), mussten wir leider das Weite bzw. die Bahn suchen. Ich war mit dem zweiten Tag sehr zufrieden. Hervorragende Sessions und gute Stimmung. Danke an die Organisatoren, den Host cimdata, die Sponsoren und alle, die mitgemacht haben! Mein genussvoll bahnmotzender Reisebegleiter und ich sagen: ci vediamo a Berlino!

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